Siehe auch: Michael Fesca, Uli Hamprecht, Björn Noack
Offene Ateliers II
18./19. März 2000

Jedes Jahr seit seinem Bestehen, stellte sich der Projektraum im Rahmen der von Nele Probst organisierten Offenen Ateliers im Kontext anderer künstlerischer Positionen der Öffentlichkeit vor. Gerade in einem solchen Zusammenhang konnte der PR seine spezifische Fragestellung vor Augen führen. Der Gegenstand, um den es geht, ist ein nicht sichtbarer. Zu den Offenen Ateliers 2000 bot sich beim Betreten des Gegenstands dem Betrachter die Möglichkeit sich gemütlich beim Essen zu unterhalten und Anträge auf Teilnahme an dem Projekt zu stellen: Was würden Sie gerne in den Räumlichkeiten des Projektraums machen?
Installation: Björn Noack Ante Portas
Überarbeiteter Eingangsbereich des Projektraums von Uli Hamprecht
Sperrholzplatte und Antirutschstreifen über Schaumstoff

ANTRÄGE AUF EINE IDEE FÜR DEN PROJEKTRAUM
12 ausgefüllte Formulare, Offene Ateliers, März 2000
19.3.00
Projektvorschlag für den Projektraum:
Elke Ziegler (Studentin)
Schillerstr. 39
06114 Halle/S.
Tel: 0345 - 2902970
BEZA
Die BEZA ist ein "Büro zur Erforschung zeitgenössischer Alltagskultur".
Dieses Büro läßt sich dort nieder, wo es sich temporär niederlassen kann. Es zeigt sich durch eine herkömmliche Werbeaufschrift am Schaufenster (> Klebebuchstaben) im Sinne einer subtilen Intervention im öffentlichen Raum.
Außerdem: Diadokumentation meiner Arbeit und Lesungen von eigens geschriebenen Texten, zwecks Kunstvermittlung.
18.3.00
Projektvorschlag für den Projektraum:
Georg (Linkshänder)
Revaler Str.
Tel: 030 - 29003714
e-mail: ohneland@zedat.tu-berlin.de
Eisenbahn HO + Alex Bhf Modell (von einem Rentner aus Streichhölzern zu basteln)
oder: Nahverkehrmodell von Berlin aufstellen, auf dem jeder eigene U-Bahnen bauen darf.
19.3.00
Projektvorschlag für den Projektraum:
Frauke Frötschl (Studentin)
Winsstr. 29
Tel: 030 - 4428021
e-mail: fraukef@arcormail.de
RUHEN
Eigentlich ist das Projekt ja einen Raum "RUHEN" im Bundestag einzurichten - für eine entspannte Politik in Deutschland. Bis dieser Anntrag jedoch bei Herrn Fischer auf dem Tisch liegt, sollte vielleicht ditekt hier, in der "Mitte" der Ort "ontheground" (siehe Projekt II) für die Menschen mit verantwortungsvoller stressiger Arbeit und alle anderen sein.

Projekt II:
ONTHEGROUND
Eine Gruppenarbeit mit dem Ort, der so wunderbar ein Drinnen und ein Draußen hat - den Namen gibt es jetzt, alles andere wird sich zeigen...
20.3.00
Projektvorschlag für den Projektraum:
Veronika Dietz (Studentin)
Gabelsbergerstr. 1
10247 Berlin
Tel: 030 - 42088794 // 0178 - 4669892
e-mail: veronika.dietz@student.hu-berlin.de
GEWINNER - VERLIERER
"Gewinner" unserer Gesellschaft werden eingeladen: Bankiers, Manager, ect.- "Verlierer" der Gesellschaft ebenfalls: Obdachlose, ect.
Beide Parteien dürfen allerdings nichts davon erfahren, daß die andere Partei eingeladen wird.
(Anm. d. Red: eine Zeichnung zeigt eine lange Tafel, auf der einen Seite werden die "Gewinner", auf der anderen die "Verlierer" platziert.)
Man wird mit einer versteckten Kamera festhalten, was passiert. Man wird sehen, ob die Gewinner wieder den Raum verlassen, oder vielleicht kommt ja am Ende so ein Bild heraus (Anm. d. Red: eine Zeichnung zeigt wieder die lange Tafel, die Seite der "Gewinner" ist leer). Vielleicht aber auch ein anderes.
Projektvorschlag für den Projektraum:
Christoph Scheurle (Student)
Sprewalderstr. 46
05121 - 85947
e-mail: c.scheurle@gmx.de
STADTRUHERAUM
Im großen Raum werden Liegen (möglichst neutral) aufgestellt. Die Scheiben werden mit Seidenpapier "abgedunkelt". Der kleine Raum wird total abgedunkelt. Dort stehen auch einige Liegen mit Wolldecken. Ziel ist es, Einkaufsgestreßten oder sonstigen Stadthetzern eine Ruhepause zu ermöglichen.
Entweder einige Minuten (großer Raum) oder auch für eine Stunde und mehr. Die Räume sollen keine weitere Ausstattung haben
18.3.00
Projektvorschlag für den Projektraum:
Matthyssen Stoh. (Theater)
Oranienburger Str. 89, bei Kichter
Tel: 030 - 2917270
e-mail: Catkrueger@hotmail.com
KULTUR MIT KINDERN
Bis 50 Kinder einladen
Ein DJ + ein oder zwei Maler/-innen.
Total gibt es ungefähr 7/8 Wände:
Jede Wand wird von den Kindern angemalt. Erst legt DJ Musik auf. Musik gibt Atmosphäre und Rhythmus. Kinder müssen sich verkleiden und anmalen und anfangen zu bewegen auf diese Musik. Dann malen sie eine Wand. So alle Wände mit verschiedenen Musikarten. Am Ende werden alle Wände wieder weiß gestrichen und nur Teile von den Wandgemälden bleiben so, wie sie sind. Es entsteht die Idee, daß verschiedene Gemälde an der Wand hängen. Jede Wand wirkt wie eine Art Ausstellung von Gemälden, die die Atmosphäre wiedergeben von der Musik, so wie die Kinder sie erfuhren und wie sie sich auf den Wänden ausgedrückt haben.
Projektvorschlag für den Projektraum:
Ralf Bettinger (Schauspieler)
Taubenstraße 15
040 - 31793555
AUF DER SUCHE NACH LIEBE - VERLASSEN DER "COOLNESS" - AUF DEN SPUREN VON HIOB
In abendländischer Tradition stehend die Lyrik und Entschlossenheit biblischer Texte in einem Raum entstehen lassen, der nur die Farbe Weiß zuläßtund den Besucher in eine zeitlose Stimmung versetzt. Alle Materialien, die dies unterstützen sind erlaubt: Gaze-Stoffe, Mehl, Papier Kneuel...
Stimmen kommen und gehen, nie aufdringlich, aus verborgenen Quellen, es darf auch etwas Wind den Ort durchwehen.
19.3. 00
Projektvorschlag für den Projektraum:
Peter Buermann
Raumer Str. 4
Tel: 030 - 4409987
SCHAFFEN EINES FORUMS UND TREFFPUNKTS FÜR AUSTAUSCH UND VORSTELLUNG SELBSTGEMACHTER ELEKTRONISCHER MUSIK:
Wöchentliche oder monatliche Lounge mit gemütlichem Charakter, Getränkeausschank und Vorstellung der Musiker und ihrer Werke. Je nach Andrang gegebenenfalls unterteilt in Sparten (oder auch nicht).
Einrichten einer Sammlung der vorgestellten Werke, vielleicht Verkauf selbstgebrannter CD´s oder Kassetten.MP3 Files ins Internet.
Bei Erfolg Gründung eines Labels, Clubs,internationaler Dependancen ...
Projektvorschlag für den Projektraum:
Sinta Werner (Malerei-Studentin)
Bornholmer 96
Berlin
Versteigerung von Skizzen, Zeichnungen, ab 5.-DM z.B., um die Kunst vom Sockel zu holen.
Hemmschwellen, selbst auszustellen, zu verkaufen, loszuwerden für jedermann.Basar, Kunst die man sich leisten kann.
18.3.00
Projektvorschlag für den Projektraum:
Blörn Noack
Rosa-Luxemburgstr. 3
Tel: 030 - 24728441
"MORE DJ´S THAN DANCERS"
- In den großen Raum müssen mehr Dj´s als in den kleinen Tänzer reinkommen/passen.
- dj´s werden bewirtet und können abwechselnd mal für kurze Zeit auflegen
- Tänzer können tanzen.
19.3.00
Projektvorschlag für den Projektraum:
Gerlinde Helm (Texte/Multimedia)
Linienstr. 54
10119 Berlin
Tel: 030 - 26046352
e-mail: gerlindah@web.de
SPRACHINSTALLATION THE GAME
ich schreibe seit ende 1997 Texte. einer meiner texte ist ein hörspiel geworden: the Gamecreates war. no longer, no more. the game is over. so I am.
now and here: mind the gap!
(die neueren texte wurden zu einem Bühnenstück verarbeitet. ein cyber.stk zw. theater und videoinstallation ist in arbeit )
Ich möchte den Text, der sich aus verschiedenen "zeitlayern" aus den verschiedensten virtualitäten des 20. jahrhunderts zusammensetzt, gerne im raum inszenieren.

> die einzelnen medien beziehen sich auf den betrachter, bzw. binden ihn in die installation und den "sprach"raum ein.
> eine videoprojektion mit "rapern" die eine kurze pan age sprechen, bekleidet mit labels "mind the gap". erlischt immer wieder und geht wieder an.
> ein spiegelobjekt, das im raum hängt mit einem lichtkegel und einer verführerischen stimme lockt den betrachter zum spiegel und der spiegel vervielfacht das abbild des betrachters.
> auf einem schukelobjekt können zwei besucher teilnehmen. sie erden von einer stimme aufgefordert sich kugeln zuzuschieben.
> Geräusche aus der stadt: sirenengeräusche... bespielen die zwischenräume. bei interesse folgt genauere beschreibung des projekts.
19.5.00
Projektvorschlag für den Projektraum:
Name und Adresse auf eigenen Wunsch der Künstlerin entfernt!
Zu "angewandte Wirklichkeit"
Unter Wirklichkeit verstehe ich zunehmend Handlungen, Verläufe, Werdendes; immer weniger das Feste, Abgeschlossene, Zurückliegende. Handlungen ergeben sich erst durch In-Beziehung-Setzen, zu Materialien, zu Menschen, zu sich selber. Angewandte Wirklichkeit ist demnach: Das In-Beziehung-Setzen auszuüben, es anschaulich zu machen.(Aber doch ´ne kleine Frage an den Schöpfer/die Schöpferin dieses schönen, fetten Begriffs: Warum noch das Adjektiv? Wo Wirklichkeit mit wirken, Wirksamkeit verwandt ist, also eh aus Anwendung von Fähigkeit hervorgeht? - Das Gegenteil, abgewandte Wirklichkeit wäre beispielsweise : Sonne bei Nacht.) - Liebes Institut für täglichen Sonnenschein, hier mein Vorschlag für eine angewandte Wirklichkeit:

BODENPROBE / ZEITRÄUME
Ausgangspunkt, zweimalWenn ich im Projektraum anwesend bin, schon gar wenn ich dort handeln und gestalten kann, begegnen sich zwei Vor-Geschichten:
Ich bringe meine Fähigkeiten, Möglichkeiten, Ideen mit. Ich kann zudem deren Verkörperung/Färbung in meinen Arbeiten mitbringen. Mehr habe ich nicht. Der Projektraum bringt die lange Geschichte seiner Benutzung mit. Ich fragte mich, als ich dort war: Wo wird dieser Geschichte Stimme verliehen?, und sah den Fußboden: mit Einprägungen, Rissen, Löchern, Abschabungen, Dellen, Verfärbungen ...

Was mich interessiert, ist der Vorgang, aus zwei Vor-Geschichten eine "Neu-Zeit" entstehen zu lassen, also zwei zuvor voneinander unabhängig existierende Fäden zu verweben und zu beobachten, auch zu behandeln, wie sie sich zueinander (miteinander, gegeneinander, füreinander) verhalten. Welche neuen Bilder, Andeutungen, Wege können aus dieser Verknüpfung entstehen? Das ist und soll eine Frage bleiben, die nicht Antwort sondern Fülle finden kann, durch die stattgefundene Arbeit.Für dieses Projekt sehe ich folgende Verläufe (in Stichworten), die abwandelbar sind, für einsetzende Impulse offen:
- Als Grundfläche der zeitlich-räumlichen Gestaltung: Meine tägliche Anwesenheit zum Arbeiten im Projektraum; Tür offen; Interessenten, Frager, Zweifler, Gesprächige, Schweigsame, Zu-Schauende, Mit-Handelnde erwünscht. Das für die Dauer von ca. 10 Tagen.
- Erste, lose Begegnung der Zweiheit:
Ich bringe ein paar meiner Arbeiten mit, lege, stelle, lehne diese im Raum (bewegliche Standpunkte! wenn man wo zu Gast ist).Ich nehme an verschiedenen Stellen Abriebe (Frottagetechnik) vom Boden, auf verschiedene Materialien, um die Bodenbeschaffenheit kennenzulernen, um "Tuchfühlung" aufzunehmen, um die Geschichte des Projektraums zu berühren.
- Vertiefung des Kontaktes: Zu den Bodenproben: Hier soll keine Analyse, sondern Synthese stattfinden: Welche Materialien könnten die Bodenbeschaffenheit sichtbar machen, und wie? Welche Spiele ergeben sich? Z.B. Risse mit Sänden evtl. gefärbten oder mit Aschen ausfüllen, Kehlen mit Flüssigkeit ausgießen bzw. Erhebungen damit umgießen, mit dünnen Metallblechen die Prägungen im Boden nachvollziehen ect.ect. - ...Feld für Anregungen und Mitwirkungen. Zu Bildern: Die zu Beginn genommenen Abriebe dienen als Erfahrungsfeld, als Ausgangsort für malerische Erkundung. Ich würde mir also, ziemlich spartanisch einen Arbeitsplatz im Projektraum einrichten. Mit beiden Handlungen ergäbe sich zugleich die Spannung Einsamkeit-Gemeinsamkeit; die in jeglicher Beziehung (im weitesten Sinne) sofort eintritt und fruchtbar wird.
- Verknüpfungen, Kontraste, entstehende Bilder als Zwischen- und Zeit-Räume: Auf den genommenen Abrieben beginnen sich weitere Schichten abzulagern, beginnen Bilder zu entstehen. (= individuelle Gestaltung auf dem geschichtlichen Boden, dieser wird somit eröffnet als Grundlage für Experiment, Neuentwicklung. Dabei will ich, wie auch sonst, material- und prozeßbezogen arbeiten).Der Boden, das ist im weiteren Sinne die Erde, die/der für gewöhnlich ohne Bewußtsein mit den Füßen getreten wird, kann zum Gegenstand der Betrachtung, der Aufmerksamkeit und Würdigung werden: Die Bodenproben erfahren Bereicherung und Veranschaulichung im Kontext anderer Materialien. Es kann sich während der 10 Tage im Raum eine Gesamtgestalt bilden, die die Stufen der Begegnung (von der unterschiedenen Zweiheit zu Beginn bis zu deren Zwiesprache und Verbindung in den jeweiligen Aktionen) offen sehen läßt. Diese Gesamtgestalt könnte noch 11 weitere Tage, oder was weiß ich wie lange, "ausruhen" und zu besichtigen und zu begehen sein.