Bara Bauch | Prof. Dr. Rudolf Godes | Lydia Clamm | Karol & Mirco | Ulla Hitzberg

Bara Bauch
Bara Bauch ist ein Künstlername. Ich führe ihn seit dem 23. September 1990. Damals fing ich an meine Handlungen, Haltungen und deren Wirkung auf ihre Umgebung zu studieren und nach und nach bewußt zu gestalten. Meine eigene Biographie und der mich umgarnende gesellschaftliche Zusammenhang wurden das Material meiner plastischen Arbeit. Am 23. September 2000 erreichte diese Arbeit ihren (seit 10 Jahren geplanten) Höhepunkt:

Ich heiratete.

Außer meinem Ehe-Partner war niemandem der künstlerische Hintergrund unserer Hochzeit bekannt. Mein Partner Jochen Rack ist selbst bildender Künstler und hat wie ich beschlossen seine künstlerische Arbeit direkt gestaltend ins "Real Life" einfließen zu lassen. Unser gemeinsamer offizieller Status als Verheiratete öffnet uns Türen zu vielen gemeinsamen Real-Life-Performances. Wir denken auch darüber nach, noch einmal zu heiraten.
Es ist nicht nötig, daß die Teilnehmer einer Real-Life-Performance diese als ein Kunstereignis verstehen. Vielmehr versuchen wir durch unser Handeln Situationen und Momente zu schaffen, die es den Beteiligten ermöglichen - ähnlich wie beim Betrachten eines guten Bildes - in eine wahrnehmungserweiternde Gefühls- und Bewußtseinswelt einzutauchen. Und dies geschieht unblockierter ohne mit dem Begriff "Kunst" eine Diskussion über denselben zu provozieren.

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Prof. Dr. Rudolf Godes
Ernsthafte Wissenschaft ist ein Spiel, das Spiel eines Künstlers, der im Experiment des bislang Ungedachten etwas Spannendes, über die eigene Person Hinaus-gehendes sucht und schafft.Jedes wissenschaftlich ent-schlüsselte Geheimnis macht immer neue, noch spannendere Geheimnisse erst offensichtlich - eine für künstlerische Arbeit hoch spannende Ausgangslage.
Ich verstehe mich als Künstler und Wissenschaftler, d.h. ich bin beides im selben Moment und - gerade durch diese Kombination - beides auf höchstem Niveau. Je mehr ich Künstler bin, desto bessere Wissenschaft mache ich und umgekehrt. Ansich ist in beidem das jeweils andere schon angelegt. Weder gute wissenschaftliche, noch gute künstlerische Arbeit respektieren Theorien oder Schemata ohne sie zu hinterfragen und der gewagtesten Annahme in der Haltlosigkeit des Denkbaren (Phantasie) gedanklichen Raum zu geben. Was des einen Mittel, ist des anderen Wesen. Mittel jeder wissenschaftlichen Arbeit ist also die Kunst.
Ich agiere und forme im Mikrokosmos, direkt an den Nervensträngen des Lebens. Im Sinne von Grundlagenforschung ist mein Tun Selbstzweck, ein Selbstzweck allerdings, der - mehr als herkömmliche Kunstformen - unter Umständen Zukunftprägend wirken kann. Die Kunst und deren Blick fürs Ganze bewahrt meine wissenschaftliche Arbeit dabei vor der üblichen hochspezialisierten Kurzsicht.
Nach meinem Studium der Bildenden Künste in Düsseldorf habe ich 1966 ein Studium der Biochemie angeschlossen, da ich bildnerisch tätig sein wollte an der Basis materieller und wesenhafter Existenz. Verschiedene neue Verfahren und Forschungsergebnisse haben mir in internationalen naturwissenschaftlichen Kreisen einige Bekanntheit eingebracht. Anfangs versuchte ich meine Forschungsarbeit und deren künstlerischen Background in Form von Ausstellungen in die Kunst-Öffentlichkeit einzubringen, gab dieses Vorhaben aber aus Zeitmangel meinerseits und mangelndem Interesse Anderer-Seits auf. Heute weiß ich, daß meine Arbeit eine wesentlich umfassendere und selbstverständlichere Wirkung und Öffentlichkeit erzielt ohne künstliche Inszenierungen für ein elitärbeschränktes Kunstpublikum.
Prof. Dr.Rudolf Godes
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Ludia Clamm
Um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten mußte ich immer neben meiner künstlerischen Arbeit Geld verdienen. Als Ungelernte stand mir hier vor allem die Welt der Reinigungskräfte offen. So kamen mir verschiedenste Haushalte unter die Finger und ich lernte Berlin hinter den Kulissen kennen.
Nachdem mein eigener Haushalt 5-fach gesegnet worden war, stand ich bald aus akutem Zeit-, Kraft- und Finanz-Mangel vor der Entscheidung die Kunst aufzugeben - oder einen Teil meines Lebens zur Kunst zu erheben. Ich erhob: Putzen als ein Reinigungs- und Ordnungsprozeß, ein geächtetes Ritual, das man selbst als schmutzig erlebt, ohne das es im Leben aber keine Sauberkeit und Ordnung gibt. Putzen ist die Urkunst als ordnendes Prinzip schlechthin. Ich wurde Künstlerputze.
Ich schaltete Annoncen wie "Künstlerin schafft Reinheit und Ordnung in deutschen Haushalten". Anfangs mit wenig Erfolg. Seit einiger Zeit habe ich aber mehr und mehr Klienten, die mich gerade deshalb einstellen. Manche versprechen sich eine geradezu spirituelle Sauberkeit von mir, andere finden es einfach schräg, daß jemand das Putzen von fremdem Dreck als seine künstlerische Arbeit versteht. In der Regel sind aber alle erstmal verwirrt, wenn ihr alter Lappen plötzlich als abgenutztes Dokument im Sissifus-Run zwischen individuellem Dreck und Image-Sauberkeit vor ihrem Bewußtsein liegt.
Auch eine Galerie wollte mich mal als Künstler mit Wischeimer und Besen zum Putztarif anschaffen. Aber sobald man das Putzen auszustellen versucht, verliert es seine Kunst. Es wird künstlich. Oder unsichtbar. Jedenfalls banal.
Seit gut fünf Jahren sammle ich die alten Lappen, bewahre den Kehricht auf und siebe das Wischwasser ab. Die Proben werden feinsäuberlich nummeriert und katalogisiert. Ich verfüge bereits über eine ansehnliche Sammlung von Berliner Haushaltsdreck, eine wahre Soziologie- und Zeitstudie. Im Moment wächst mir die Arbeit aber schon wieder über den Kopf - irgendwie macht Kunst mehr Arbeit als nur Putzen - und ich denke mal wieder darüber nach, wie ich
reduzieren kann...
Lydia Clamm
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Karol & Mirco
Karol und Mirco genügt als Identität, weil Vornamen eine gewisse Allgemeingültigkeit haben und für Straßenarbeiten ausreichen. Wir sind zwei polnische Performancekünstler und wir beschäftigen uns mit Clichés. Polnische Arbeiter in Berlin sind ein Cliché. Deshalb performen wir als polnische Arbeiter in Berlin. Man kann uns täglich werktags zwischen 7 und 16 Uhr irgendwo in Berlin sehen, wo wissen wir vorher nicht. Eintritt ist frei. Wir schaufeln, schweißen, kehren, bauen, räumen, reinigen öffentlich - wie unsere Kollegen. Es gibt hunderte polnische Gastarbeiter in Berlin. Beobachter müssen damit rechnen, daß hinter ihnen Karol oder Mirco stecken und der Alltag vor Ihren Augen eine polnische Performance in Berlin ist.
Karol & Mirco
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Ulla Hitzberg
1968 beendete ich mein Studium der Bildenden Kunst an den Kunstakademien Stuttgart und München. Nach einigen Jahren relativ erfolgreicher Arbeit mit Lebensmittelprozessen in der Münchner Kunstöffentlichkeit, ging ich für zwei Jahre nach USA, was meinem künstlerischen Schaffen eine andere Richtung gab: Ich verabschiedete mich von den Künstler- und Rezipientenzirkeln und arbeite seither verborgen öffentlich.
Dank Joseph Beuys, mit dem ich in den USA durch seinen Koyoten in Kontakt kam, entdeckte ich die atmosphärische Arbeit im skulpturalen Raum - ein performativer Prozeß, der direkt aus der eigenen Person im Dialog mit ihrem Umfeld erwächst. Mit der gleichen künstlerischen Haltung wie bisher wandte ich mich nun meinen eigenen Lebenssituationen zu: Küche, Keller, die Wohnzimmer meiner Freunde, Altenheime, Gemeinderatssäle, ..., fing ich an als immer wechselnde "Ateliers" und "Ausstellungsräume" zu begreifen.
Nach und nach wurde mir klar, daß alles, jede Herstellung eines Produktes, jede Handlung im öffentlichen und privaten Rahmen, genau die gleichen bildnerischen Prozesse beinhaltet, wie sie der Kunst zu eigen sind. Um den Alltag zur Kunst werden zu lassen bedarf es nur einer bewußten, wachsamen Wahrnehmung und einer verdichtenden Intensität. Allein schon im Klischee einer Hausfrau, dem Essen-Kochen und Wäsche-Waschen, stecken so viele performative Elemente mit größtmöglichen direkt formenden Wirkungen, daß solche Arbeit eigentlich jeder anderen im Rahmen einer Galerie oder eines Museums an künstlerischem Gehalt überlegen ist. Ähnlich ändert sich jedes Gespräch, jeder Gedanke mit der eigenen Haltung und bewußten Wahrnehmung.
Hat man das präsent, so kann man alles, Materielles und Immaterielles, nach seinen künstlerischen Dimensionen und Optionen werten und gezielt gestalterisch einsetzen. Es ist erstaunlich festzustellen, wie stark die bewußte Steuerung von Haltung, Wahrnehmung und Intensität formend wirken. Auf diese Weise male ich regelrechte Bilder, die sich aber natürlich, ähnlich wie früher meine Lebensmittel-Bilder, immer das lebendige auto-performative Wesen bewahren.
Nach mehr als 25 Jahren wirken einige Aspekte meiner Arbeit längst über meine Reichweite hinaus. Konkretere Beispiele meiner Arbeit möchte ich nicht nennen, weil sie sonst ihren vertraulichen Charakter an eine unangemessene
Öffentlichkeit verlieren würden.
Ulla Hitzberg
Bara Bauch | Prof. Dr. Rudolf Godes | Lydia Clamm | Karol & Mirco | Ulla Hitzberg
Projektraumarbeit von Uli Hamprecht, entstanden zum Festival RAUMTRIEB 2001 (s. Chronik), Februar 2001.
Weitere Arbeiten siehe Uli Hamprecht