Die Arbeit am Konzept als permanente Projektraumarbeit.
Der Versuch, die Arbeit des Projektraums textlich be-greifbar zu machen, schlug sich in mehreren Konzeptvarianten und anderen Texten nieder. Mit der Variante 1 des Projektraumkonzeptes haben wir am längsten gelebt. Sie wurde seit März 1999 entwickelt und ständig fortgeführt. Dazu gehört auch der Text zur Finanzierung des Unternehmens. Beide Texte haben wir mit Kurzbiografien der Künstler und Spenden- und Sponsoringaufrufen in Berlin verteilt.
Mitte Mai 2000 entschloßen wir uns das Konzept gänzlich neu zu entwerfen. daraus entstanden die Konzeptversionen von Michael Fesca, Uli Hamprecht, Irina Thormann und Roland P. Runge, die so stark divergierten, daß wir uns entschlossen, den Versuch sie zusammenzubringen aufzugeben und sie getrennt nebeneinander, jede als vollgültig stehen zu lassen.
Alle Texte sind im folgenden dokumentiert.

Variante 1 des Projektraumkonzeptes:

Der Projektraum befindet sich in der Rosa-Luxemburg-Str.3, im Dreieck zwischen Alexanderplatz, Volksbühne und Hackeschen Höfen, also in dem seit Anfang der 90er Jahre ständig wachsenden Galerien -, Künstler - und Vergnügungsviertel Spandauer Vorstadt in Berlin-Mitte. Der Flair einer sich zunehmend etablierenden Kunst - und Kulturszene steht hier in Wechselwirkung mit einer zunehmend kommerzieller werdenden Kneipen - und Einkaufskultur. Das Straßenbild sowie Geschäfte, Unternehmen und Bewohner dieses Viertels wandeln sich rasant. Der Projektraum stellt sich bewußt in diesen kulturellen Focus, um ihn zu nutzen und sich einzumischen.

Der Projektraum ist ein Institut der
Akademie für angewandte Wirklichkeit und bietet ein Forum für Begegnung und Austausch für Künstler und Interessierte, in dem öffentlich zeitgemäße, neue künstlerische Inhalte und Ausdrucksmöglichkeiten ermittelt werden. Der Projektraum ist keine Galerie und kein privates Atelier. Vielmehr verstehen wir das Profil des Projektraums als work in progress, als eigenständige, sich selbst dynamisierende ästhetische Arbeit, die den tatsächlich stattfindenden ästhetischen Prozeß wahrnehmbar machen machen will, möglichst 1:1, also in Deckung mit sich selbst. Diese Arbeit verstehen wir als eine Form von Lebenskunstwerk, als eine Suche nach Echtzeit und Wirklichkeit mit den Mitteln der Kunst. Alle Künstler und Menschen laden wir dazu ein, sich an dieser Arbeit zu beteiligen. Sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen können sich im PR mit oder ohne uns auf die Suche nach der Schnittstelle zwischen Kunst und Leben begeben. Der Raum steht Künstlern für gemeinsames Arbeiten, Performance, Aktionskunst, Konzerte, Filme, Theater, Ausstellungen, Seminaren und anderem zur Verfügung.

Organisiert und strukturiert wird der PR von z.Zt. 6 Personen, die sich gleichfalls mit ihrer eigenen künstlerischen Arbeit als Gruppe und Einzelpersonen in die Akademie einbringen. Der Projektraum, wie die Akademie sind nicht örtlich gebunden, sondern bilden ein Forum, das durch die Betreibergruppe sowie anderen Personen, die am PR partizipieren, an anderen Orten sowie zwischen diesen (pers. Kontakte, PR-homepage) wächst.
english version

The "Projektraum" is located in the central district of Berlin, called Berlin Mitte, in which after the opening of the wall, a quarter of galeries, artists and entertainment developed. The flair of an art and culture scenery, growing there steadily since the beginning of the nineties, is interacting with an increasingly commercializing culture of pubs and shopping facilities. Street scenery as well as shops, enterprises and population of the quarter are changing rapidly. The "Projektraum" intentionally puts itself into this cultural focus to make use of it and to interfere.

The "Projektraum" is an institute of the "Academy of Applied Reality". It offers to artists and other interested people a forum for encounters and exchange in which contemporary new artistic contents and modes of expression are elaborated publicly. The "Projektraum" is neither a gallery nor a private studio. Rather, we understand it as self-propagating aesthetic "work in progress" that intends to make perceivable the artistic process, that factually occurs in life, thus searching for the 1:1 congruence between life and art. We understand this work as a form of life art, as a search for real time and reality with the means of art. We invite all artists and other people to participate in this work. Individuals as well as groups can embark in the "Projektraum" on the search of the interface between art and life, without or with us. The room is available to artists, e.g. for jointly entering an experimental process, for performance, action, concerts, films, theater, exhibitions, seminars, and other topics.

Presently the "Projektraum" is organized and structured by six persons who individually and as a group contribute to the "Academy" with their own artistic work. The "Projektraum" as well as the "Academy" are not fixed locally; rather they form a forum that, due to the effort of the above mentioned operating artists and other participants, grows also at many other locations, e.g. by communicating personally and through the homepage.

Text zur Finanzierung:

Träger des Projektraums ist der als gemeinnützig anerkannte
Projektraum e.V. - Neue Kunst für Berlin-Mitte
Der Projektraum versteht sich nicht als Galerie, sondern bildet einen nicht-kommerziellen Freiraum für Kunst. Die Veranstaltungsfläche beträgt ca. 120qm. Sie besteht aus zwei separat, aber auch zusammenhängend nutzbaren großflächigen, hohen und gut beleuchteten Ladenräumen. Wir gehen davon aus, daß die dort entstehenden und gezeigten Arbeiten nicht verkäuflich oder vermarktbar sein müssen. Nur so kann sich hier eine freie, grenzüberschreitende Kunst entwickeln, die Forschung zuläßt und so auch die Möglichkeit des Scheiterns beinhaltet.
Sollten dennoch Arbeiten verkauft werden, hat der Künstler entstandene Unkosten, mindestens aber ein drittel der Verkaufssumme an den Verein für weitere Projektarbeit abzuführen.
Künstler sollen im übrigen möglichst von Unkosten freigehalten werden. Der Projektraum soll weitestgehend durch freie, von aussen kommende Gelder finanziert werden. Gegenwärtig wird der Betrieb des Projektraumes durch die 6 BetreiberInnen, die dort gastierenden Künstler und einigen privaten Förderern finanziert. Um sich dem Ideal einer optimalen Unterstützung (Raummiete, Werbung, Materialkosten) der im PR künstlerisch tätigen Menschen anzunähern, benötigt der PR weitere finanzielle Unterstützung durch Privatpersonen und öffentliche Träger.
Das Privatsponsoring ist beispielsweise im Rahmen einer Fördermitgliedschaft möglich. Mit Hilfe von Privatmenschen, Geschäftsleuten, Personen aus Kunst, Kultur und dem öffentlichen Leben hoffen wir einen Kreis von Förderen aufbauen zu können, deren Fördermitgliedschaftsbeiträge in individueller Höhe den Projektraum fördern und begleiten werden. Sie erhalten von uns regelmäßig Informationen über alle aktuellen Ausstellungen und Aktivitäten. Außerdem werden Sie zu der von uns jährlich ausgerichteten Projektraumfördererfeier eingeladen, bei der Sie sich auch untereinander kennenlernen können. Stiftungen und öffentliche Einrichtungen werden gezielt nach Fördermöglichkeiten angeschrieben.

Konzeptversion von Michael Fesca

Projekte raum
Akademie für angewandte Wirklichkeit
Zusammentreffen
Teilen mitteilen
Mitsprechen

Der Projektraum ist der Versuch Zeichen zu suchen, die nur durch gemeinsames Schreiben erfasst werden können.
Kommunikation ist hier nicht Aussage gegen Aussage, sondern die Aussage besteht in der Kommunikation selbst.
In dem mit Anderen geteilten entsteht die Mitteilung.
Das bedeutet nicht eine Aufgebe von individuellen Ambitionen, sondern die Erkenntnis, daß Kommunikation ihre Ursache in der Abgetrenntheit des Eigenen (Selbst) von dem/den Anderen hat. Daß jede Äußerung des Eigenen nur durch den Bezug auf den Anderen, den/das Fremde(n) sinnvoll wird. (nur sinnvoll ist, weil es das Andere gibt)
Die Aussage entsteht also erst durch ihren Bezug zum Anderen, sie ist keineswegs sinnvoll, weil sie das Eigene ist, sondern nur, weil es die Erfahrung des Fremden gibt.
Auseinandersetzung ist deswegen das Ziel künstlerischer Arbeit, um die Kluft zum Anderen zu überbrücken, unter Umständen indem man das Trennende erkennt.
Durch dieses ins Verhältnis setzen kann erst das Eigene und das Fremde erkannt werden, wird aber vielleicht auch Fremdes zu Eigenem und Eigenes zu Fremdem.
Es entsteht ein Bild von Beziehungen (skulpturaler Raum), das sich niemals im blosen nach außen stülpen des vermeintlich Eigenen zeigen kann, das der Andere betrachten, „konsumieren" soll.
Der Projektraum ist der Versuch die Kommunikation bereits zum Teil der Produktion werden zu lassen.
Wir haben deshalb kein Interesse daran, einfach verschiedene Positionen in Form künstlerischer Arbeiten einander gegenüber zu setzen.
Wichtig ist also nicht die Arbeitsform oder das Medium, sondern in wie fern eine Arbeit am Zusammenkommen, an mit – teilender Kommunikation interessiert ist.
Es kann deswegen sehr wohl Achtung des Anderen, aber kein „in Ruhe lassen" und kein sinnloses falsch verstandenes „sich nicht einmischen" „nicht antasten" geben.
Der Betrachter darf sich in die Arbeit des Anderen einmischen, sie antasten, weil das der einzige Sinn ist, den eine künstlerische Arbeit haben kann.
Ein Vergleich:
Wie in einem (guten) Gespräch muß man den Anderen ausreden lassen, aber er muß auch bereit sein zuzuhören.
(Ein Argument muß dabei nicht durch „Lautstärke" auffallen, denn ein Gespräch ist kein Kampf, sondern geprägt und angestiftet durch das Interesse an der Meinung des Anderen, was auch Schweigen und Zwischentöne oder Verhaltensweisen zur Aussage werden läßt.)
Das Ziel sollte ein gemeinsames Herausfinden von etwas sein, was einem alleine nicht eingefallen wäre. Das schließt einen zeitweiligen Rückzug, um die eigenen Argumente zu ordnen, nicht aus, sondern ist vielmehr sogar die Grundlage eines sinnvollen Gesprächs.

Konzeptversion Uli Hamprecht

PROJEKTRAUM
neuer raum für kunst in berlin mitte - Akademie für Angewandte Wirklichkeit

Der Projektraum ist eine künstlerische Arbeit, die sich der Form einer Akademie als Ort der Begegnung, des Austauschs und der Forschung bedient, um ein Netzsysthem aus Menschen, Orten, und Projekten aufzubauen, anhand dessen der so entstehende, sich ständig erweiternde, immaterielle "Skulpturale Raum" betrachtet und gestaltet, selbst zum Material künstlerischer Arbeit wird.

Kunstform Akademie.
Als Akademie/Forschungsprojekt forscht der Projektraum über sich selbst, über Entwicklungen, Möglichkeiten und Fragestellungen, die sich aus Austausch, praktischen und theoretischer Arbeit ergeben. Von außen immer wieder neu hinzukommende und eingeladene Menschen befruchten und bereichern mit ihrer Präsenz, ihren Haltungen, Meinungen, Ideen, Handlungen, Arbeiten und Arbeitsweisen die von den sechs festen Mitgliedern des Projekiraums aufrecht erhaltene Diskussion. Auf diese Weise wächst ein Zusammenhang, ein Gebilde, das sowohl auf materieller (im realen Raum), wie immaterieller Ebene (im "skulpturalen Raum") präsent ist, die künstlerische Arbeit Projektraum.

Wie wird eine unsichtbare künstlerische Arbeit sichtbar?
Der gröBte Teil der Projektraumarbeit ist für Außenstehende nicht direkt mit-erlebbar, da er im Augenblick und nur zwischen wenigen Beteiligten stattfindet, bzw. sich über lange Zeit- und geographische Räume hinweg entwickelt. Projektraum, im ständigen Wechselspiel zwischen Aktion und Reflexion, erwächst häufig aus scheinbar alltäglichen
Situationen, einem Gespräch, einer Begegnung, ein gemeinsames Frühstück. Solche Momente sind nicht 1:1 "abbildbar" in ein (ästhetisches) Wieder-Erleben für Außenstehende. Um dieses scheinbar alltägliche Wesen des Projektraums aber in seiner künstlerischen Oualität - und damit Projektraum als künstlerische Arbeit - wahrnehmbar zu machen, muß Alltägliches als Besonderes lesbar werden, ohne dabei seine Essenz zu verlieren: Wir befinden uns auf einer Gradwanderung zwischen "Realität" und Inszenierung, zwischen "Wirklichkeit" und Kunst. Jeder Versuch des Projektraums sich als künstlerische Arbeit nach außen mitzuteilen, stößt auf diesen Grad, auf dem das eine in das andere umkippt, oder sich im Idealfall doch beides die Waage hält. Auch von außen dazustoßende, im Zusammenhang mit dem Projektraum - Akademie für angewandte Wirklichkeit - erstellte Arbeiten reiben sich meist an diesem Spannungspunkt.
Über die kontinuierliche Arbeit am und im Projektraum formen sich aus den einzelnen "Buchstaben" seiner immer wieder auch öffentlichen Präsenz langsam "Worte" und "Sätze", die seine bislang kaum faßbare Komplexität zu lesbaren Strukturen verdichten.

Der Projektraum und seine Orte.
Der Projektraum ist nicht an einen Ort gebunden, besitzt aber den gleichnamigen Projektraum in der Rosa-LuxemburgStraße 3, in Berlin Mitte, ein Forum, Anlaufs- und Treffpunkt, Experimentier- und Präsentationsfeld, in dem sich die Arbeit des Projektraums bislang am intensivsten und kontinnierlichsten niederschlägt. Dank drei großer Schaufensterscheiben, sind Innen- und Außenraum (Straße) nur durch eine dünne Membran voneinander getrennt. Was innen geschieht, geschieht (halb)öffentlich und erfährt eine gewisse bühnenhafte Inszemerung.
Im Projektraum realisierte Arbeiten bestimmen nicht nur demzulolge die Wahrnehmung des Projektraums nach außen mit. Sie formen Teil des Forschungsprojektes Projektraum, regen Fragen und Diskussionen an, bereichern durch neue Positionen, sind Anlaß für Kontakte und Vernetzungen. Viele der bislang im Projektraum realisierten Arbeiten waren bereits auf Untersuchung, Entwicklung oder direkte Kommunikation angelegt, das heißt sie begaben sich im Projektraum in einen Prozeß.
Außer dem Projektraum in der Rosa-Luxemburg-Straße sind beliebig viele Projekträume vorstellbar, die einen entsprechenden Freiraum für künstlerisches Experiment bieten.
Der Projektraum in der Rosa-Luxemburg-Straße befindet sich in Berlin-Mitte, einer Schnittstelle zwischen 0st und West und formuliert damit das Anliegen des Projektraums, seine bereits bestehenden Kontakte nach Ost- und West-Europa zu intensivieren.

Zusammenfassung:
Das komplexe Gebilde Projektraum beinhaltet also folgende sich einander bedingende Bereiche:
1.- Der Projektraum als Akademie für angewandte Wirklichkeit, Forschungsprojekt, das sich selbst zum Gegenstand seiner Untersuchungen macht, Begegnungsraum und Ort des Austauschs.
2.- Der Projektraum als sich ständig veränderndes, wachsendes Netzwerk, das Menschen, Orte, Positionen miteinander verbindet.
3.- Der Projektraum als wahrnehmende, gestaltende und formende Arbeit von "virtuellen" Strukturen und Prozessen im "Skulpturalen Raum", Raum, der sich zwischen den Koordinaten des Netzwerks öffnet.
4.- Der Projektraum als eine Arbeit an der Grenze zur Wahrnehmbarkeit, auf einer Gradwanderung zwischen Kunst und "Wirklichkeit", die trotzdem den Anspruch stellt, in seinem Wesen als künstlerische Arbeit sichtbar zu werden.
5.- Der Projektraum als Ort oder Orte, der/die einen Freiraum öffnen für Projektraumarbeit.
6.- Der Projektraum als künstlerisch-ästhetische Arbeit, die sich aus allen vorher genannten Bereichen zusammengenommen, als ein sich ständig veränderndes, weiterentwickelndes Gebilde ergibt.

Konzeptversion Irina Thormann

Der erotische Aspekt des Projektraumes

zweifache Erotik:

Der Liebesakt:
Es bietet sich an, läd ein und öffnet sich. Es läBt gewähren.
Es ist Raum wie Idee.
Daneben, davor, dadrunter ... steht und wirkt gleichzeitige Durchdringung. Raum wie Idee sind das Potential der Durchdringung.
Begegnung wird gesucht, Berührung wird beobachtet, festgehalten, fortgesetzt, beendet.
Reibung am Gegenüber, an der Öffentlichkeit.
Zeichen werden gesucht, gesetzt als Bezeugung des Potentials. Der Akteur begibt sich in dieses Potential.
PR = raumgebende Zeugungskraft
PR = Zeuge von raumgebender Zeugungskraft

Die Sinnlichkeit:
Der Akteur, der Zeuge begibt sich in Sinnlichkeit von Begegnung. Das Aufsuchen von Sinnlichkeit wird zum ständigen Zeichen.
Die Suche birgt Momente des nicht Vollendeten, Lockenden, nicht Geschlossenen, birgt
Plateaus der Sinnlichkeit.
Intimität und Öffentlichkeit sind bei der Suche gleichzeitig vorhanden, werden beide gleichzeitig aufgesucht
Intimität zeigt sich, wird als Zeichen gesetzt.
ExhIbition statt Exposition.

Konzeptversion Roland P. Runge

Konzeptentwurf PROJEKTRAUM

Projektraum ist eine eigenständige künstlerische Arbeit, die das Format „Ausstellung" hinter sich läßt. Eine neue Form künstlerischer Präsentation wird entwickelt, die sich dem immer schneller werdenden Konsumverhalten der Menschen im digitalen Zeitalter sowohl entgegenkommt als auch zugleich entgegenstellt. Die Arbeit (das Werk) ist ständig in Bewegung, nie fertig und doch ständig präsentabel. Insofern gleicht sie einer nie endenden Performance – entzieht sich aber auch diesem Format, da die Grenzen zwischen Rezipient und Autor ständig verwischt und immer wieder sogar vertauscht werden. So werden die Betrachter zu Akteuren, die Künstler zu Beobachtern. Untersuchung als Gestaltung ist ein Stichwort, so fällt die Mauer zwischen Untersuchenden und Gestaltenden. Die Gruppe der Initiatoren ist gleichfalls oszillierend, formlos und in Bewegung. Die Arbeit zu benennen ist eine nie endende Sisyphusarbeit, wobei Sisyphos als erster Künstler gesehen werden kann, der sich dieser Form, wenn auch im Gegensatz zu uns unfreiwillig, bedient, dennoch gleichsam ein Patron des Projektraums. Die einzelnen Benennungen, Arbeiten und Ereignisse sind somit wie Video-Stills, der sich in der Zeit abrollenden Sisyphos- b.z.w. Projektraum-Arbeit, die aus größerer Distanz so monoton und unzeigbar wirkt. Im Detail aber finden sich sich Begriffe, die näher am Üblichen liegen und es doch nie sind.
Um die Arbeit des Projektraums zu verstehen, muß man sich die Einzelnen Begriffe ansehen und zugleich wieder vergessen. Wie wenn man einen Text liest, deren einzelne Buchstaben man sogleich wieder vergessen muß um einen darüber liegenden Sinn denken zu können.

Es geht also nicht um eine Kommunikationsskulptur, die der Projektraum aufbaut und versucht sichtbar zu machen. Es geht nicht um die Akademie für angewandte Wirklichkeit, die im Projektraum ihren Ort hat und sich der Ermittlung der Grenzen zwischen Kunst und Alltag verschrieben hat. Es geht auch nicht um die vielen realisierten Arbeiten und Produkte im Projektraum, die mit Hilfe zahlreicher Künstler und Institutionen bereits im Projektraum entstanden sind. Es geht um das Dazwischen, an dem wir Leere vorfinden. Leerstellen deren Potenzialität Freiheit verheißt.

In diesem Sinne ist der Projektraum ein Freiraum. Frei für Neues, Ungewagtes und Unwägbares.
Kunst ist angewandte und somit inszenierte Alltäglichkeit. Die Behauptung des 1:1 bleibt im Projektraum trotz seiner Unmöglichkeit bestehen. Der Widerspruch läßt uns frei, den „anderen" Blick auf das Eins werdende Leben und Kunst zu werfen.